Das Felsenmeer

Entstehung / Geschichte

Die Riesensage

Vor langer Zeit sollen im Lautertal zwei Riesen gelebt haben - der eine auf dem Felsberg, der andere auf dem Hohenstein. Eines Tages bekamen sie Streit und begannen, Felsbrocken aufeinander zu werfen. Der Riese vom Hohenstein hatte den Vorteil, dass er viel mehr Steine zum Werfen hatte. Von

Steinen getroffen wurde der hier lebende Riese und unter einem „Meer von Felsen“ begraben – so entstand dieser Ort, der als „Felsenmeer“ bekannt wurde!
Dies ist natürlich nur eine Legende, aber es gibt zwischen Reichenbach und Beedenkirchen wirklich ein Meer von Felsen im Odenwald - die eigentliche Entstehung ergab sich aber aus einem Wechselspiel zwischen Geologie und Natur und nicht aus einem Streit zwischen zwei Riesen! 

Das spektakuläre Naturdenkmal Felsenmeer liegt an den Hängen des Felsbergs im Lautertal und ist das Produkt von geologischen Prozessen, die vor etwa 340 Millionen Jahren begannen. Damals drifteten zwei Kontinente aufeinander zu und kollidierten im Gebiet des heutigen Odenwaldes. An dieser „Nahtstelle“ bildete sich ein riesiges Gebirge, in großer Tiefe schmolz das Gestein und stieg als flüssiges Magma auf. Es erkaltete vor etwa 330 Millionen Jahren im „Kern“ der aufgestapelten Berge zu einem dem Granit ähnlichen Gestein, dem Melaquarzdiorit. Im Laufe der folgenden Jahrmillionen wurde die Oberfläche des Felsberges abgetragen und somit die darunter liegenden Felspartien freigelegt. Während der Abkühlung des glutflüssigen Gesteins bildeten sich Risse (Klüfte), die „den Berg“ in viele große Blöcke zerteilten. Der Zerfall der Gesteine war besonders stark im Tertiär (vor etwa 50 Millionen Jahren) und wurde durch das Eindringen von Wasser ausgelöst. Als Ergebnis dieser Vorgänge gibt es heute die runden Blöcke, „Wollsäcke“ genannt, umgeben von dem wie Kies wirkenden, zersetzen Gesteinsschutt, dem Grus. Während der letzten Eiszeit (vor 117.000 bis etwa 11.700 Jahren) war das Klima dieser Region vergleichbar mit dem des heutigen Sibirien. Die abwechselnd warmen und sehr kalten Perioden verursachten, dass sich der Boden bewegte und teils richtiggehend talwärts „floss“. In wärmeren Zeiten wurde der Schutt zwischen den festen Steinen ausgewaschen und viele Felsbrocken wurden bergab transportiert. Mit der Zeit wurden so die „Blockhalden“ oder „Felsenmeere“ gebildet. Die im Felsenmeer Informationszentrum erhältliche Broschüre "GEOTOP 2002" enthält weitere Detail-Informationen über die Entstehung des Felsenmeeres.

Im Informationszentrum selbst können Sie zudem mehr über die Steinbearbeitung erfahren, die im Felsberg stattfand; auch, welche Bedeutung die riesigen Felsbrocken des Felsberges in der Neuzeit für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Lautertals hatten.

Die Steinbearbeitung der römischen Periode dauerte etwa 200 Jahre. Mehr als 300 von den römischen Steinmetzen bearbeitete Blöcke sind im Wald des Felsberges noch zu finden. Sie wurden entweder zurückgelassen, weil sie durch natürliche Risse schon während der Bearbeitung beschädigt und unbrauchbar wurden oder stellen Abschläge größerer Werkstücke dar. Die Riesensäule wurde von römischen Steinmetzen im 4. Jahrhundert n. Chr. hergestellt. Sie ist 9,33 Meter lang und wiegt 27,5 Tonnen. Spuren römischer Steinbearbeitung kann man auch an diesem Stein, bekannt als „Pyramide“, erkennen.